Süd-Chemie errichtet Demonstrationsanlage für Biokraftstoff der 2. Generation in Straubing
21.07.2010
Die Süd-Chemie AG, ein weltweit führendes Spezialchemieunternehmen für Katalysatoren und Adsorbentien baut die bislang größte Anlage zur biotechnologischen Herstellung von klimafreundlichem Bioethanol der zweiten Generation im niederbayerischen Straubing. Die Anlage für den so genannte Cellulose-Ethanol wird im Industriegebiet Straubing-Sand in unmittelbarer Nachbarschaft zum Donauhafen und dem erst im Mai 2010 eröffneten BioCubator - Unternehmerzentrum für Nachwachsende Rohstoffe auf einer Fläche von ca. 10.000 m² errichtet werden. Das Investitionsvolumen inklusive wissenschaftlicher Begleitforschung beträgt 28 Mio. € und ist ein Meilenstein zur weiteren Profilierung Straubings als Region der Nachwachsenden Rohstoffe in Europa.
Im Wettbewerb mit zahlreichen Standorten im In- und Ausland konnte die Region Straubing durch die hervorragende Infrastruktur des von Stadt und Landkreis gemeinsam betriebenen Industrieparks und das einschlägige wissenschaftlich-technische Umfeld des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe überzeugen. Außerdem waren die Nähe zum Flughafen und zur Münchner Konzernzentrale Pluspunkte, die für die Gäubodenregion sprechen.

Die Ansiedlung ist durch eine gemeinsame Anstrengung der Süd-Chemie auf der einen und von Bund, Land und Kommune auf der andern Seite ermöglicht worden. Der Vorsitzende des Zweckverbandes Industriegebiet mit Donauhafen Straubing-Sand (ZVI), Landrat Alfred Reisinger, dankte der bayerischen Staatsregierung und der Bundesregierung für ihren engagierten Einsatz zur Stärkung der industriellen Forschung am Standort Straubing-Sand. „Damit untermauern wir den Anspruch, dass unsere Region im Bereich der Nachwachsenden Rohstoffe europaweit führend ist“, betont Reisinger. „Nach den etablierten Biokraftstoffen der ersten Generation und der ADM-Ölmühle steigen wir nun mit der Süd-Chemie auch in die zweite Generation von Biokraftstoffen ein. Mit Stroh aus unserer Heimat leisten wir einen Beitrag dazu, die künftige Mobilität weltweit zu sichern“, zeigte Reisinger den Bezug zur regionalen Landwirtschaft auf. Nicht weniger freuten sich Oberbürgermeister Markus Pannermayr, Aufsichtsratsvorsitzender der BioCampus Straubing GmbH und Bürgermeister Manfred Krä, stellv. Verbandsvorsitzender des ZVI, über diese herausragende Ansiedlung. Gemeinsam mit Landrat Reisinger dankten sie ausdrücklich dem MdB Ernst Hinsken für seinen bekannt entschlossenen Einsatz bei der Bundesregierung ebenso wie MdL Josef Zellmeier im Landtag. Bund und Land fördern die Demonstrationsanlage der Süd-Chemie mit jeweils 5 Mio. €.
Für den Oberbürgermeister der Fraunhoferstadt ist die geplante Demoanlage für Bioethanol ein großartiger Erfolg in den Ansiedlungsbemühungen der Region: „ Mit der Süd-Chemie steigen wir in der Wertschöpfungskette eine Stufe nach oben. Straubing ist nicht nur ein Standort für unternehmerische Leitproduktionen, sondern auch Standort für industrielle Forschung und Entwicklung. Dies ist für den Erfolg unseres Branchenclusters Nachwachsende Rohstoffe der entscheidende Faktor. Außerdem freue ich mich als Chemiker darüber, dass die Chemieindustrie die Nachwachsenden Rohstoffe und damit Straubing auf Ihrem Monitor haben. Wir haben dies auch dem Einsatz des Chemieclusters Bayern und seinem Sprecher, dem TU-Präsidenten Prof. Dr. Dr. mult. Wolfgang Herrmann, zu verdanken“.
Die Bemühungen des Standortes um den Einsatz der Süd-Chemie reichen bis Oktober 2008 zurück. Bereits im Juni 2009 konnte Andreas Löffert, Geschäftsführer des ZVI, ein attraktives Standortangebot auf der Grundlage eines einstimmigen Verbandsbeschlusses unterbreiten. „Ich war mir sicher, dass es sich lohnen wird, die besten Flächen, für die Süd-Chemie in Straubing-Sand zu reservieren. Die Süd-Chemie wird uns noch mehr internationales Publikum in die Region Straubing bringen und wir werden deren Gästen den roten Teppich in unserem Haus ausrollen“, freute sich Löffert.
Hintergrundinfo:
Die heute bereits gängigen Biokraftstoffe der ersten Generation werden ausschließlich aus öl- bzw. stärke- oder zuckerhaltigen Pflanzenbestandteilen hergestellt, beispielsweise Biodiesel aus Rapsöl oder Bioethanol aus Stärke oder Zucker. Bei der Herstellung von Biokraftstoffen der zweiten Generation hingegen werden nicht die stärke- bzw. ölhaltigen, sondern nur die zellulosehaltigen Bestandteile der Pflanze genutzt. Auf diese Weise erhält man mehr Treibstoff durch die höhere energetische Ausbeute. Zudem konkurriert der Treibstoff nicht mit Nahrungs- oder Futtermitteln, weil die stärkehaltigen Pflanzenbestandteile, wie zum Beispiel das Maiskorn, weiterhin für die Nahrungsmittelproduktion verwendet werden können. Biokraftstoffe der zweiten Generation sind zudem klimafreundlicher als Treibstoffe aus fossilen Energieträgern wie Erdöl oder Erdgas, weil die Pflanze während des Wachstums der Atmosphäre exakt die Menge des Klimagases Kohledioxid entzieht, die später beim Verbrennen in Motoren wieder freigesetzt wird. Die Einführung klimafreundlicher Biokraftstoffe der zweiten Generation wird durch gesetzliche Rahmenbedingungen in den USA und der EU gefördert. In den USA schreibt ein Ende 2007 beschlossenes Gesetz vor, dass bis 2022 etwa 15 Prozent des jährlichen US-Benzinverbrauchs mit Biokraftstoffen substituiert werden sollen, knapp 60 Prozent davon basierend auf lignozellulosehaltigen Reststoffen. Die vom EU-Parlament im Dezember 2008 verabschiedete Richtlinie Erneuerbare Energien schreibt bis 2020 einen Mindestanteil von 10 Prozent an erneuerbaren Energieträgern im Verkehr zum Güter- und Personentransport vor. Das derzeit in der EU jährlich anfallende überschüssige Getreidestroh wäre mehr als ausreichend, um dieses EU-Substitutionsziel von 10 Prozent durch Bioethanol der zweiten Generation zu decken.

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